Rheinpost online, 22.10.23
Kultur in Wermelskirchen: Vokale Urgewalt mit den Tsaziken
Wermelskirchen · Die sechs Sängerinnen aus der Domstadt waren mit ihrer Band und ihrem Programm am Freitagabend im Haus Eifgen zu Gast und nahmen das Publikum mit auf eine Reise durch die Weltmusik.
So voll wie am Freitagabend ist die Bühne im Haus Eifgen nur selten. Alleine schon die Zahl der Sängerinnen des Tsaziken-Esembles aus Köln war mit sechs Frauen weit größer dimensioniert als die meisten Bands. Dazu kamen noch vier Herren an den diversen Instrumenten – Saxophon, Gitarre, Schlagzeug und Perkussion. Aber ganz klar im Mittelpunkt stand die vokale Urgewalt der sechs Sängerinnen, die sich am Bühnenrand im Stehen präsentierten und mit ihren Stimmen eine massive, glockenklare und dabei wahrhaft strahlende Klangwand erzeugten, die brachial und zerbrechlich zugleich war. Dieser Eindruck wurde noch dadurch verstärkt, dass die Lieder auf Sprachen wie Finnisch, Usbekisch, Serbisch, Georgisch oder Ungarisch gesungen wurden.
Das war Weltmusik, wie sie im Buche stand – grenzenlos, offen und doch verbindend. Man musste die Texte nicht verstehen, eine kurze inhaltliche Vorgabe, die die Sängerinnen vor jedem Stück gaben, reichte da völlig aus. Denn anschließend konnte man ein wunderbares Assoziationsspiel betreiben und sich von Musik und Gesang über das Thema des Liedes zu einer kleinen, eigenen Geschichte inspirieren lassen. Oder man sah den Frauen einfach beim Singen zu, was durchaus auch ein Erlebnis war. Denn selten konnte man sechs absolut gleichwertige Sängerinnen sehen und hören, die sowohl solistisch als auch im Chorgesang brillierten – und das noch dazu in fremden Sprachen. Hinzu kam das instrumentale Beiwerk, bei dem vor allem Saxophonist Dett Heidkamp Akzente zu setzen wusste.
Bei allem fraglos immens hohen musikalischen Ansprüchen, kam der Humor auch nicht zu kurz. „Das nächste Lied ist auf Rumänisch, und mehr gibt es dazu nicht zu sagen, denn der Text ist nicht jugendfrei“, sagte etwa Christiane Athmer. „Das würde mich aber nun schon interessieren“, kam es da von Gitarrist Raimund Kroboth. „Maestro. Musik!“, so lautete die knappe Replik, und schon ging es los.
Abgesehen davon war diese Musik aus aller Welt auch sehr eingängig und zugänglich. Wobei immer wieder ein gewisser exotischer Touch durchschimmerte, sei es in Form von Harmonien oder Melodien. Und doch fühlte man sich in dieser Musik ganz zu Hause. Was sich auch daran zeigte, dass schon bald die ersten Besucherinnen zu tanzen begannen. Und auch das Mitsingen auf Usbekisch klappte nach einer kurzen Einweisung durch Karoline Kupperroth wunderbar.
MELODIVA CD NEWS
NOVEMBER 2015 (von Mane Stelzer, 14.12.2015 www.melodiva.de)
TSAZIKEN – „Kischkesch“ World (Deutschland/Polen/Russland/Slowenien)
Tsaziken ist ein Gesangsoktett, das aus Sofia Faulseit (Russland), Sonja Tusch (Slowenien), Anna Herling (Polen) und
den deutschen Sängerinnen Karoline Kupperroth, Astrid Heller-Engels, Conny Eberle, Christiane Athmer und Eva Vahrenwald besteht.
Mit „Kischkesch“ veröfentlichen die Acht ihr zweites Album. „Kischkesch“ – der Ausdruck kommt aus dem Rotwelschen, der Sprache des
reisenden Volkes - bedeutet „Klang“ und enthält wahrlich viele verschiedene Klänge: 14 Songs aus den verschiedensten Teilen der Welt, vornehmlich traditionelles Liedgut.
Unterstützt werden sie u.a. von Raimund Kroboth, den manche von der Kölner Schäl Sick
Brass Band und dem Tabadoul Orchestra kennen, der alle Lieder arrangiert und zwei für das Album komponiert hat.
Von Gitarre, Tenorsax, Bassbalalaika, Flöte, Violine und Percussion begleitet, begeben sich die Damen auf einen vielsprachigen Roadtrip von Texas nach Äthiopien über
Georgien nach Israel und zurück, der vor allem begeisterte ChorsängerInnen begeistern dürfte (ein Booklet mit Texten fehlt jedoch leider). Es ist ein interessanter, aber auch
ziemlich wilder Mix, den die vielköpfge Truppe da kredenzt. „De Grine Kuzine“ wird sehr wagemutig verrockt, das äthiopische, religiöse Kinderlied „Hoya Hoye“ mit seinen
Wechselgesängen wird zur
Tanznummer. Die Sängerinnen, die seit 2005 zusammen singen, formieren einen starken Chor, der sich besonders in
den A Cappella Stücken entfalten kann. Bei den getragenen Songs, dem russischen „Matryan Aldanyas“ und „Helesa“ aus
Georgien kommt gar Gänsehaut auf. Auch „Gilvelo“ ist die Leidenschaft anzuhören, mit der die Sängerinnen singen. Für
mich sind das die Highlights des Albums.
VÖ: 20.11.2015 | Westpark Music | 14 Tracks |